4 Schritte zur Patentstrategie
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4 Schritte zur Patentstrategie

 

Juli 2019 | Strategie | Florenus

Die Zahl der Patentanmeldungen stieg laut EPO auch im Jahr 2018. Viele Technologie-Unternehmen setzen ihren Fokus bei der Wertsicherung bzw. -steigerung nach wie vor auf Patente. Erfahrungsgemäß entstehen viele dieser Patentportfolien zufällig und nicht in Folge der Umsetzung einer zuvor definierten Strategie. Auch 2018 stieg die Zahl der vom EPO registrierten Patentanmeldungen. Die Auflistung der Top 50 Anmelder birgt keine wesentlichen Überraschungen, sondern stellt die Fortführung eines anhaltenden Trends dar.

 

Patentstrategie 2018 Quelle: Europäisches Patentamt (EPA)

 

Je nach Bedarf werden einzelne Produkte, Verfahren oder ganze Technologien geschützt. Technologie-Unternehmen verfolgen mit dem Auf- bzw. Ausbau von Patentportfolien verschiedene Ziele:
  • Steigerung der Gewinnspanne
  • Schaffung eines neuen Standes der Technik
  • Ausschluss der Mitbewerber vom vermarkten eigener Technologien
  • Schaffung eines Lizenz- und Kollaborationsnetzwerkes
Eine auf das jeweilige Unternehmen abgestimmte Patentstrategie hilft erfahrungsgemäß bei der Umsetzung dieser Ziele. Doch wie entwicklen Unternehmen eine Patentstrategie?

 


Schritt I: Ziele & Ausrichtung


Die Umsetzung der verschiedenen Unternehmensziele kann durch den Aufbau und die gezielte Nutzung von Schutzrechten, wie Patenten, erheblich gefördert werden. Ein zugrundeliegendes Konzept hilft dabei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, die Kosten zu minimieren, und die entsprechenden Unternehmenswerte und Kompetenzen Stück für Stück aufzubauen.
  • Aufzählung der Unternehmensziele
  • Aufzählung aller Beteiligten (Mitbewerber, Zulieferer, Kunden, etc.)
  • Ausblick über Entwicklung der Technologien/Produktlinien im Unternehmen und im Markt
  • Festlegung der Verwendungsform des Patentportfolios
    • Offensiv – Generierung zusätzlicher Einnahmen, Durchsetzung, etc.
    • Defensiv – Schutz der eigenen Lösung, Gegenklage
    • Marketing – Branchen Know-how, Einzigartigkeit, etc.

 


Schritt II: Kompetenz-Team


Die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung einer Patentstrategie involviert zwangsläufig Mitarbeiter unterschiedlicher Abteilungen. Beispielsweise können Ingenieure die technologische Neuheit einer Lösung oder deren zukünftige Entwicklung am besten beurteilen. Wichtig: Das Team sollte sich darüber im klaren sein, dass die Umsetzung einer Patentstrategie Geduld und gewissenhaftes Vorgehen erfordert. Sobald ein Team zusammengestellt wurde, kann (je nach Wissensstand der Mitglieder) eine Schulung zur Vertiefung der Kenntnisse im Bereich (gewerbliche) Schutzrechte hilfreich sein.
  • Identifikation von Personal aus Management, Finanzen, Entwicklung und Innovation
  • Beauftragung externe Dienstleister (insbesondere bei kleinen Unternehmen und Start-ups)
  • Alternativ: Kombination aus internem Team und externen Dienstleistern
Tipp: Insbesondere bei der externen Analyse und Recherche von Patenten und Stand der Technik (siehe Schritt III: Analyse) kann sich die Einbindung externer Dienstleister als ressourcenschonend erweisen. Aber auch bei der Abwägung der Vor- und Nachteile der strategischen Ausrichtung (siehe Schritt I: Ziele & Ausrichtung)

 


Schritt III: Analyse


(intern)
  • Identifizierung und Einteilung vorhandener Schutzrechte (inkl. nicht registrierter Rechte, wie Urheberrecht)
  • Identifizierung von Lösungen (Technologien / Produkten / Methoden), die geistiges Eigentum inkludieren
  • Identifizierung der Märkte für vorhandene Schutzrechte
  • Restverwertungsdauer der Lösungen mit geistigem Eigentum
  • Identifikation des geistigen Eigentums, das patentiert werden kann
  • Abschätzung der Kosten für verschiedene Patentierungsszenarien
  • Abschätzung der möglichen Verwertungs- inkl. Lizenzierungseinnahmen
(extern)
  • Suche nach Patenten, im möglichen oder vorhanden Schutzbereich eigener Lösungen
  • Abschätzung möglicher entstehender Kosten, z.B. durch Schutzrechtsverletzungen

 


Schritt IV: Festlegung & Umsetzung


Ziel dieser Phase ist der Aufbau strukturierter Prozesse für die Anmeldung, Verwaltung und Verwertung der Patente.
  • Festlegung von Zielen, die sich einerseits an der allgemeinen Ausrichtung (offensive, defensiv, etc.), sowie an den Analyse-Ergebnissen orientieren.
  • Schrittweise Umsetzung